AlpacaKeep
Warteliste

Alpaka oder Lama? Der Unterschied auf einen Blick

Vom AlpacaKeep-Team9 Min. Lesezeit
Ausgewachsenes Lama und Alpaka nebeneinander auf einer Weide mit sichtbaren Größen- und Fellunterschieden
Inhalt
  1. Was ist der Unterschied zwischen Lama und Alpaka?
  2. Der Zwei-Sekunden-Test an der Koppel
  3. Wofür die beiden gezüchtet wurden
  4. Wer spuckt mehr, Lama oder Alpaka?
  5. Charakter und Umgang
  6. Schutzlamas: was dahintersteckt
  7. Haltung: wo die Unterschiede Geld kosten
  8. Lama, Alpaka, Guanako und Vikunja
  9. Huarizo: die Kreuzung aus beiden
  10. Was passt zu deinem Betrieb?
  11. Quellen & Weiterführende Literatur

Die kurze Antwort: ein Lama ist etwa doppelt so groß wie ein Alpaka und wurde als Lastentier gezüchtet, ein Alpaka ist kleiner und wurde auf sein Vlies gezüchtet. Wenn du dir nur ein Merkmal merkst, dann die Ohren. Beim Lama sind sie lang und gebogen wie eine Banane, beim Alpaka kurz und gerade wie eine Speerspitze.

Das klingt nach einem Quizdetail, beeinflusst aber ganz praktische Entscheidungen: was du mit dem Tier machen kannst, wie du es führst und welche Faser nach der Schur vor dir liegt.

Was ist der Unterschied zwischen Lama und Alpaka?

Das sind die typischen Werte für ausgewachsene Tiere aus dem Artenvergleich des Merck Veterinary Manual [1].

Alpaka (Vicugna pacos)Lama (Lama glama)
Gewicht ausgewachsen60 bis 80 kg120 bis 200 kg
Widerristhöhe76 bis 97 cm102 bis 127 cm
Ohrenkurz, spitzlang, bananenförmig
Schwanztiefer angesetzthöher angesetzt
Rückenleicht aufgewölbte Oberliniegerade Oberlinie
TypenHuacaya und Surikeine eigenen Rassen
Gezüchtet fürVliesLasten tragen, Herdenschutz
Vlieseinlagig, feinmeist doppellagig
Wilder VorfahreVikunjaGuanako

Der Zwei-Sekunden-Test an der Koppel

Geh nach der Form, nicht nur nach der Größe. Entfernung, Alter und ein dichtes Vlies können ein Tier größer oder kleiner wirken lassen, als es ist.

  • Zuerst die Ohren. Lang und bananenförmig gebogen heißt Lama. Kurz und gerade heißt Alpaka [1].
  • Dann das Gesicht. Ein Huacaya-Alpaka trägt Faser bis ins Gesicht und an den Beinen herunter, daher der stumpfe, wollige Teddy-Eindruck [1]. Ein Lamagesicht wirkt länger und deutlich weniger bewollt.
  • Dann die Oberlinie. Der Lamarücken ist gerade. Beim Alpaka wölbt sich die Linie über der Lende etwas auf, und der Schwanz sitzt tiefer [1].

Wofür die beiden gezüchtet wurden

Alpakas sind Fasertiere. Sie werden normalerweise einmal im Jahr geschoren. Die British Alpaca Society rechnet bei einem Huacaya mit 1 kg und mehr feiner Faser pro Jahr nach dem Skirten, beim Suri mit ungefähr dem Doppelten [2]. Nach dem Skirten heißt: nachdem die groben Ränder an Hals, Bauch und Beinen aussortiert sind. Das ist also der verwertbare Anteil, nicht das gesamte Gewicht direkt nach der Schur.

Der Faserdurchmesser verändert sich mit Alter, Genetik und der Stelle, an der die Probe genommen wurde. Wie du ein Faserlabor-Ergebnis liest, steht in unserem Ratgeber zu Mikron und Faserklassen.

Lamas sind Lasttiere und können als Herdenschutztiere eingesetzt werden. Das Merck Veterinary Manual nennt als Obergrenze rund 60 kg, merkt aber an, dass im Alltag selten mehr als etwa 20 kg aufgeladen werden [1]. Beim Freizeittrekking wird dem Tier normalerweise deutlich weniger abverlangt als beim Gütertransport.

Lamafaser ist ein anderes Produkt. Das traditionelle Lamavlies hat eine feine Unterwolle unter gröberem Grannenhaar, wobei sich die Vliestypen stark unterscheiden. Material der International Llama Association gibt den Grannenhaaranteil mit 0 bis 20 Prozent an [3]. Werden beide Schichten zusammen gewonnen, muss das Grannenhaar vor dem Verspinnen der weicheren Faser meist entfernt werden. Ein einziger durchschnittlicher Mikronwert erzählt deshalb nicht die ganze Geschichte.

Wer spuckt mehr, Lama oder Alpaka?

Das ist die meistgestellte Frage zu diesen beiden Tieren, und die ehrliche Antwort ist unspektakulär: beide spucken, und beide zielen dabei fast immer auf andere Kameliden.

Gespuckt wird zur Klärung von Streit ums Futter, zur Klärung der Rangordnung, und wenn eine tragende Stute einem Hengst deutlich machen will, dass er verschwinden soll. Das ist normale Kommunikation unter Kameliden, keine Aggression gegen Menschen.

Wichtig ist die Reihenfolge im Verhalten. Kameliden fliehen zuerst. Erst wenn Ausweichen nicht mehr geht, wechseln sie in die Verteidigung, und dazu gehören Spucken, Springen, Schreien und Um-sich-Schlagen [4]. Ein Tier, das dich anspuckt, sitzt also meist in der Ecke, im wörtlichen oder im übertragenen Sinn.

Der Unterschied zwischen den Arten ist hier kleiner als der Unterschied im Umgang. Unnötige Flaschenaufzucht und zu enger Menschenkontakt können später gefährliches, gegen Menschen gerichtetes Verhalten begünstigen, besonders bei männlichen Tieren [9].

Charakter und Umgang

Beide Arten können lernen, ruhig am Halfter zu gehen. Lamas werden wegen ihres größeren Körperbaus häufig für Trekking und Lasten gewählt, doch die Tierart allein sagt dir nicht, wie leicht ein einzelnes Tier zu führen ist. Frag vor dem Kauf nach der Ausbildung und schau zu, wie das Tier eingefangen, aufgehalftert und geführt wird.

Alpakas sind stark auf ihre Herde ausgerichtet und können bei engem Kontakt zurückhaltend sein. Ein einzelnes Alpaka ist keine vertretbare Abkürzung: Beide Arten brauchen passende Kamelidengesellschaft, mindestens zu zweit und wenn möglich in einer kleinen Gruppe.

Für den Einstieg ist ein ruhiger, gut sozialisierter und halfterführiger Wallach oft die einfachere Wahl. Frag trotzdem immer nach Aufzucht und Umgang: Das Geschlecht allein garantiert keinen bestimmten Charakter.

Schutzlamas: was dahintersteckt

Ein Schutzlama ist ein einzelnes Lama, das mit Schafen oder Ziegen läuft und auf hundeartige Raubtiere wie Füchse und streunende Hunde reagiert, indem es Alarm ruft, auf sie zugeht und sie vertreibt.

Die viel zitierten Zahlen stammen aus einer Untersuchung des Beratungsdienstes der Iowa State University von Franklin und Powell aus dem Jahr 1994: rund 80 Prozent der Schafhalter bewerteten ihr Lama als wirksam oder sehr wirksam, und die durchschnittlichen Herdenverluste gingen von etwa 11 Prozent auf etwa 1 Prozent zurück [5].

Drei ehrliche Einschränkungen, bevor du eines kaufst:

  • Die Daten sprechen eher für ein Lama als für mehrere. In der Iowa-Befragung meldeten Betriebe mit einem Schutzlama geringere Verluste als Betriebe mit mehreren. Wallache werden häufig gewählt, weil Hengste versuchen können, Mutterschafe zu decken. Bei der gemessenen Schutzwirkung fand die Studie jedoch keinen Unterschied zwischen Wallachen und Hengsten [5].
  • Das Ergebnis hängt vom Betrieb ab. Eine spätere kontrollierte Untersuchung in Utah fand in der ersten Weidesaison geringere Lämmerverluste, aber nicht mehr, als auch die Verluste der Vergleichsherden sanken. Die Forschenden folgerten, dass der Raubtierdruck möglicherweise eine gewisse Schwelle erreichen muss, bevor ein Effekt sichtbar wird [6].
  • Es ist eine Schutzschicht, nicht die einzige. Die Betriebe in der Iowa-Studie nutzten neben den Lamas weiterhin andere Maßnahmen [5]. Gute Zäune und tägliche Kontrollen bleiben nötig.

Haltung: wo die Unterschiede Geld kosten

  • Platz und Futter. Das Lama ist das größere Tier. Plane Fressplätze, Durchgänge, Fixiereinrichtungen und Transport entsprechend. Der tatsächliche Futterbedarf hängt trotzdem von Gewicht, Alter, Arbeit und Futterqualität ab.
  • Zaun. Beim Kameliden-Zaun geht es genauso sehr darum, Raubtiere draußen zu halten, wie die Tiere drinnen. Höhe, Maschenweite und Pflege sind wichtiger als der Artname.
  • Schur. Alpakas werden normalerweise jedes Jahr geschoren. Beim Lama hängt die Pflege vom Vliestyp ab: Scheren, Kürzen oder Bürsten können sinnvoll sein, besonders vor warmem Wetter [3].
  • Klauenpflege. Kameliden haben keine Hufe, sondern zwei Zehen mit Nägeln und einem weichen Sohlenpolster. Es geht also um regelmäßiges Nägelschneiden, nicht um Hufschmiedarbeit.
  • Arzneimittel. Auswahl und Dosis gehören mit dem Tierarzt abgestimmt und auf ein genaues Gewicht gestützt, nicht auf eine Schätzung nach Tierart.

Lama, Alpaka, Guanako und Vikunja

Es gibt vier Neuweltkameliden, zwei domestizierte und zwei wilde. Die Verwandtschaft ist inzwischen genetisch geklärt: eine Untersuchung von Kadwell und Kollegen aus dem Jahr 2001 ordnete das Lama dem Guanako als Vorfahren zu und das Alpaka der Vikunja [7]. Deshalb wurde das Alpaka wissenschaftlich von Lama pacos zu Vicugna pacos umbenannt, was auch erklärt, warum die beiden Arten unterschiedliche Gattungsnamen tragen, obwohl sie sich kreuzen lassen.

Guanako und Vikunja sind Wildtiere, nicht die üblichen Haltungsalternativen zu Alpaka und Lama. Vikunjafaser gehört zu den feinsten Fasern der Welt; ihr internationaler Handel ist durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) geregelt [10].

Huarizo: die Kreuzung aus beiden

Lama und Alpaka lassen sich kreuzen. Ein Lamahengst über einer Alpakastute ergibt einen Huarizo, der in Größe und Faserqualität meist zwischen beiden Arten liegt [1]. Neuweltkameliden haben dieselbe Chromosomenzahl, und solche Kreuzungen der ersten Generation können fruchtbar sein [1].

Ein Hinweis, den du ernst nehmen solltest: Zuchtregister können die Abstammung von Alpakas über DNA absichern [8], und eine Kreuzung ist kein reinrassiges Alpaka. Wenn du beide Arten hältst und keine Überraschungen willst, halte unkastrierte Hengste von den Stuten der jeweils anderen Art fern.

Was passt zu deinem Betrieb?

  • Faser ist dein Ziel und du bevorzugst das kleinere Tier. Alpakas. Weiter geht es mit unserem Ratgeber zur besten Alpaka-Rasse für Anfänger.
  • Du willst wandern oder Lasten tragen lassen. Lamas, und rechne mit Zeit für die Ausbildung.
  • Du suchst ein mögliches Schutztier für Schafe oder Ziegen. Ein nach Charakter ausgewähltes Lama, zusätzlich zu guten Zäunen und weiteren Schutzmaßnahmen.
  • Du bist beim Umgang unsicher. Suche ruhige, gut sozialisierte Wallache und frag genau nach ihrer Aufzucht.
  • Du willst züchten. Entscheide dich für eine Art und lerne sie erst richtig kennen.

Bevor du kaufst, lohnt sich ein Blick auf die laufenden Kosten und auf die Anmeldepflichten. Unser Ratgeber was ein Alpaka kostet rechnet das durch, und Alpakas anmelden erklärt, was in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu melden ist.

Wenn du am Ende beide Arten hältst, schreib die Tierart von Tag eins an zu jedem Tier dazu. Erwartetes Endgewicht, Vliespflege und Faserergebnis unterscheiden sich, und Behandlungen müssen beim richtigen Tier dokumentiert bleiben. AlpacaKeep speichert die Tierart pro Tier, ein Bestandsbuch kann also einen gemischten Betrieb abdecken.

Quellen & Weiterführende Literatur

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Lama und Alpaka?

Größe und Aufgabe. Ein Lama wiegt 120 bis 200 kg und misst 102 bis 127 cm Widerristhöhe, ein Alpaka wiegt 60 bis 80 kg und misst 76 bis 97 cm. Lamas wurden als Lastentiere gezüchtet und werden häufig als Schutztiere für Schafe und Ziegen eingesetzt. Alpakas wurden auf Vlies gezüchtet, ihre Faser ist deutlich feiner. Der schnellste Blick geht auf die Ohren: beim Lama lang und bananenförmig, beim Alpaka kurz und spitz.

Wer spuckt mehr, Lama oder Alpaka?

Beide spucken, und beide zielen dabei fast immer auf andere Kameliden, nicht auf dich. Gespuckt wird am Futtertrog, zur Klärung der Rangordnung und wenn eine tragende Stute einen Hengst abweisen will. Kameliden fliehen zuerst und wechseln erst dann in die Verteidigung, wenn Ausweichen nicht mehr geht. Ein Tier, das Menschen anspuckt, sagt dir damit meist etwas über seine Vorgeschichte im Umgang, nicht über seine Tierart. Die eigentliche Risikogruppe sind in beiden Arten mit der Flasche aufgezogene, unkastrierte Hengste.

Sind Alpakas und Lamas verwandt?

Ja, beide sind Neuweltkameliden und stammen von unterschiedlichen wilden Vorfahren ab. Eine genetische Untersuchung von Kadwell und Kollegen aus dem Jahr 2001 hat gezeigt, dass das Lama vom Guanako abstammt und das Alpaka von der Vikunja. Deshalb heißt das Alpaka wissenschaftlich Vicugna pacos und nicht mehr Lama pacos. Die beiden Arten sind nah genug verwandt, dass sie fruchtbare Kreuzungen ergeben.

Was ist der Unterschied zwischen Lama, Alpaka, Guanako und Vikunja?

Es sind vier Neuweltkameliden, zwei domestiziert und zwei wild. Domestiziert sind das Lama (Lasttier, aus dem Guanako) und das Alpaka (Fasertier, aus der Vikunja). Wild sind das Guanako und die Vikunja. Vikunjafaser gehört zu den feinsten Fasern der Welt; ihr internationaler Handel ist durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) geregelt. Für die normale Tierhaltung vergleichst du in der Praxis Lama und Alpaka.

Woran erkennt man den Unterschied an den Ohren?

Die Ohren sind der beste schnelle Hinweis. Ein Lama hat lange, nach innen gebogene Ohren, die Form erinnert an eine Banane. Ein Alpaka hat kurze, gerade Ohren, eher wie eine Speerspitze. Schau trotzdem auf das ganze Tier: Alter, Vlies und Blickwinkel können die Größenwirkung verändern.

Kann man Alpakas im Garten halten?

Ein normaler Hausgarten reicht nicht. Alpakas sind Herdentiere und dürfen nie allein stehen, du brauchst also mindestens zwei, besser drei, dazu Weidefläche, einen trockenen Unterstand und einen sicheren Zaun. Und Alpakas sind rechtlich Nutztiere, nicht Haustiere: in Deutschland meldest du deinen Bestand an und führst ein Bestandsregister. Unser Ratgeber zur Anmeldung erklärt, was in Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt.

Diesen Ratgeber hilfreich gefunden? Hol dir den nächsten.

Praktisches Wissen zur Alpakahaltung von einem echten Hof, direkt in dein Postfach.

Deine E-Mail bleibt bei uns. Wir verwenden sie nur für diese Updates. Lies unsere Datenschutzerklärung.

Oder teste unseren kostenlosen Tragzeitrechner

Dieser Ratgeber kommt von AlpacaKeep, einer modernen Alpaka-Herdenmanagement-Software: Gesundheit, Zucht, Faser und Verkaufsseiten an einem Ort, gratis für bis zu 10 Tiere.