Die Paarung bei Alpakas läuft anders als bei den meisten Nutztieren. Die Stute hat keinen regelmäßigen Zyklus, und erst die Bedeckung selbst bringt sie dazu, ein Ei freizusetzen. Sie legt sich in Brustlage ab (das Kuschen), der Hengst steigt von hinten auf und gibt einen gurgelnden Kehllaut von sich, das Orgeln. Eine Bedeckung dauert meist etwa 15 bis 20 Minuten.
Wenn du Bedeckungen planst, findest du das größere Bild, von der Auswahl der Tiere bis zum Absetzen, in unserem Ratgeber zur Alpakazucht.
Wie die Paarung bei Alpakas abläuft
Erst die Bedeckung löst den Eisprung aus
Alpakastuten haben eine induzierte Ovulation: Der Eisprung wird durch den Deckakt ausgelöst. Er folgt etwa 24 bis 30 Stunden danach, also nach gut einem Tag. So steht es im Merck Veterinary Manual, einem tiermedizinischen Nachschlagewerk aus den USA.
Nicht jede Bedeckung klappt. Ein Fachbuch über die Fortpflanzung bei Kameliden schreibt, dass nach einer Bedeckung in bis zu 30 % der Fälle kein Eisprung folgt. Eine einzelne Bedeckung ist deshalb ein Anfang, noch kein Ergebnis.
Kann man Alpakas das ganze Jahr decken lassen?
Ja. Die Australian Alpaca Association (der australische Alpakaverband) nennt Alpakas Tiere ohne feste Paarungszeit. Das Merck Veterinary Manual schreibt, dass Kameliden außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets das ganze Jahr über decken können. Entscheidend ist, wann das Cria kommt. Der australische Verband und ein auf Kameliden spezialisierter Tierarzt aus den USA raten, die Bedeckungen so zu legen, dass die Geburten nicht in große Hitze oder Kälte fallen.
Wie lange dauert die Paarung beim Alpaka?
Die meisten Quellen nennen etwa 15 bis 20 Minuten. Je nach Quelle kommen aber auch etwa 5 Minuten vor, oder bis zu 45, 50 oder 55 Minuten. Über den Erfolg sagt die Dauer nichts: In einer australischen Studie mit 70 Bedeckungen machte sie keinen Unterschied für die Trächtigkeit, in einer Studie aus Peru keinen für den Eisprung.
Aufsteigen heißt noch nicht decken. Ein Hengst kann alle Bewegungen durchlaufen, ohne tatsächlich in die Stute einzudringen (Kameliden-Fachbuch). Bei einem unerfahrenen Hengst schaust du deshalb besser selbst nach, ob er wirklich gedeckt hat (Merck Veterinary Manual).
Ist die Stute bereit für die Bedeckung?
Die Größe zählt mehr als das Alter. Die meisten Quellen setzen die erste Bedeckung bei etwa 60 % des Erwachsenengewichts oder etwa 40 kg an. Beim Alter reichen sie von etwa 14 bis etwa 24 Monaten.
Geschlechtsreif ist eine Stute früher, mit etwa 12 bis 15 Monaten und 45 bis 50 kg, laut Merkblatt der Australian Alpaca Association. Das ist aber nicht das Alter für die erste Bedeckung. Das Warten schützt sie. Das Merck Veterinary Manual nennt das Risiko einer schweren Geburt bei kleinen jungen Stuten. Das Kameliden-Fachbuch schreibt, dass das Decken junger oder unterentwickelter Stuten meist zu mehr frühem Embryoverlust, Aborten oder Problemen bei der Geburt führt.
In Deutschland nennt die Zuchtordnung des Alpaka Zucht Verbands Deutschland (AZVD, Stand 2021) kein Mindestalter für die erste Bedeckung. Ihr einziges Mindestalter, 12 Monate für Stuten und Hengste, gilt für die Vorstellung bei der Zuchteignungsprüfung (ZEP), nicht für das Decken.
Eine Stute, die sich ablegt, ist nicht unbedingt bereit. Laut Kameliden-Fachbuch ist frühe Deckbereitschaft kein guter Anhaltspunkt. Bei einer rangniederen Stute kann das Ablegen einfach eine Geste der Unterordnung sein. Verlass dich lieber auf die Waage als auf ihr Verhalten.
Ist der Hengst bereit für die Bedeckung?
Ab wann ein Hengst richtig decken kann, setzen die Quellen zwischen etwa 18 Monaten und 3 Jahren an. Sein Penis ist anfangs mit der Vorhaut verwachsen und löst sich erst nach und nach. Laut Kameliden-Fachbuch ist das mit 2 Jahren bei 70 % der Hengste so weit und mit 3 Jahren bei allen. Das Buch empfiehlt 3 Jahre für die Zucht. Das Merck Veterinary Manual nennt die frühesten Werte: Die meisten Hengste beginnen mit 18 bis 24 Monaten. Die Australian Alpaca Association und der Leitfaden der britischen Regierung nennen etwa 2,5 bis 3 Jahre.
Junge Hengste können dich überraschen. Manche können schon ab etwa neun Monaten decken (British Alpaca Society), und der Leitfaden der britischen Regierung warnt, dass auch jüngere Hengste eine Stute trächtig machen können. Ein festes Alter, ab dem du junge Hengste von den Stuten trennen solltest, nennt keine der Quellen, die wir gelesen haben.
Bedeckung unter Aufsicht oder Hengst in der Stutengruppe?
Bei der Bedeckung unter Aufsicht bringst du eine einzelne Stute zum Hengst und schaust zu. Beim Hengst in der Stutengruppe läuft der Hengst mit mehreren Stuten zusammen, laut Australian Alpaca Association mehrere Wochen lang. Derselbe Verband weist darauf hin, dass die Bedeckung unter Aufsicht mehr von deiner Zeit kostet.
In einer Umfrage der Vetmeduni Wien unter Lama- und Alpakazüchtern in Österreich, Deutschland und der Schweiz (2019) ließ die Mehrheit der Betriebe (57 %) ihre Stuten von einem eigenen Hengst decken, der getrennt von den Stuten lebt.
Das Kameliden-Fachbuch schreibt der Bedeckung unter Aufsicht eine bessere Kontrolle über den Deckhengst zu, weniger Unfälle, genaue Aufzeichnungen und enge Aufsicht. Die Studie aus Neuseeland ist ein einziger kleiner Versuch, kein Beweis, dass eine Methode besser ist.
Wie viel kann ein Hengst leisten?
Wie viele Stuten ein Hengst decken sollte, hat keine Studie geklärt, schreibt das Kameliden-Fachbuch. Einige Studien zeigen aber, wo die Grenzen anfangen:
- Zwei oder vier Bedeckungen am Tag gingen gut. In einer Studie aus Peru mit 280 Stuten über 9 Tage lag die Fruchtbarkeit bei 76 %, wenn die Hengste zwei- oder viermal am Tag deckten. Bei sechsmal am Tag waren es 59 %.
- Tägliches Decken laugt ihn aus. In einer Studie aus Chile hatten Hengste, die fünf Tage lang täglich deckten, gegen Ende womöglich zu wenig Spermien. Nach einer Pause erholten sie sich nur teilweise.
- Eine zweite Bedeckung bringt wenig. Laut Kameliden-Fachbuch löst eine zweite Bedeckung 6 oder 24 Stunden nach der ersten kein zweites Eisprungsignal aus. In der australischen Studie machten eine oder zwei Bedeckungen keinen Unterschied.
Auch Hitze spielt eine Rolle. Laut Merck Veterinary Manual kann Hitzestress die Fruchtbarkeit eines Hengstes für mehrere Wochen oder dauerhaft senken. Der Kameliden-Tierarzt aus den USA hält das meist für vorübergehend. Siehe Alpakas und Hitze.
Die Spuckprobe: was dir ein Abwehren sagt
Ein Abwehren ist ein gutes Zeichen, aber kein Beweis. Nach einer Bedeckung bringen Züchter den Hengst wieder zur Stute. Spuckt sie, läuft sie weg oder legt sie sich nicht ab, deutet das darauf hin, dass sie ovuliert hat und trächtig sein könnte. Legt sie sich vor ihm ab, ist sie wahrscheinlich nicht trächtig.
Was ein Abwehren bedeutet, hängt vom Tag ab. Laut Merkblatt der Australian Alpaca Association zeigt ein Abwehren nach 7 Tagen, dass sie ovuliert hat. Nach 14 Tagen oder später ist eine Trächtigkeit „wahrscheinlich“. Das Merck Veterinary Manual wertet ein Abwehren mehr als 15 Tage nach der Bedeckung als Zeichen einer Trächtigkeit. Unser Tragzeit-Rechner legt diese Kontrollen ab dem Deckdatum auf eine Zeitleiste.
Im deutschsprachigen Raum ist das die übliche Methode. In der Umfrage der Vetmeduni Wien unter Lama- und Alpakazüchtern prüften 91 % die Trächtigkeit vor allem mit dem Spucktest, oft zusammen mit einem Ultraschall.
Warum ein Abwehren ein Zeichen ist, kein Beweis
Der Leitfaden der britischen Regierung nennt die Spuckprobe das Zeichen, das am stärksten auf eine frühe Trächtigkeit hindeutet. Eine Bestätigung ist sie trotzdem nicht:
- Manches Abwehren täuscht. Das Kameliden-Fachbuch rechnet damit, dass 15 bis 30 % der Abwehrreaktionen von Stuten kommen, die nicht trächtig sind (früher Embryoverlust, ein unbemerkter Abort oder einfach ihr Temperament).
- Auch manches Ablegen täuscht. Dasselbe Fachbuch schreibt, dass manche Alpakastuten sich auch trächtig noch decken lassen.
- Auch ungedeckte Stuten wehren den Hengst manchmal ein, zwei Tage lang ab (ein Fact Sheet der British Alpaca Society; das Fachbuch nennt etwa 48 Stunden).
- Die Merkblätter sagen es selbst. Das Merkblatt der Australian Alpaca Association (und das britische Fact Sheet, das zum Teil wörtlich gleich ist) schreibt, dass das erste Abwehren „keine Bestätigung einer Trächtigkeit“ ist.
Dieselben beiden Merkblätter empfehlen, die Stute während der ganzen Trächtigkeit einem Hengst vorzustellen, „zum Beispiel alle sechs Wochen“. Denn Embryonen können auch später noch verloren gehen.
Bestätigen mit Ultraschall
Nur ein Ultraschall bestätigt die Trächtigkeit. Je nach Gerät lässt sie sich ab etwa Tag 30 erkennen, und die übliche Routinekontrolle findet nach etwa Tag 60 statt (British Alpaca Society). Laut Leitfaden der britischen Regierung ist der Ultraschall über die Bauchdecke ab etwa Tag 45 wirksam.
Mehr zum Bestätigen einer Trächtigkeit steht in unserem Ratgeber zur Tragzeit beim Lama, die Trächtigkeit beim Alpaka selbst im Ratgeber zur Tragzeit beim Alpaka.
Wann du es noch einmal versuchst
Legt sie sich bei einer späteren Kontrolle vor dem Hengst ab, ist das ganz normal: Sie muss neu gedeckt werden, ein Grund zur Sorge ist das nicht. Ist sie nicht trächtig geworden, rechnet das Kameliden-Fachbuch damit, dass sie 12 bis 18 Tage nach der Bedeckung wieder deckbereit ist. Und bis zu 30 % der Bedeckungen lösen gar keinen Eisprung aus. Bei der Bedeckung unter Aufsicht lässt du zwischen zwei Versuchen mindestens 7 Tage Abstand (ein Kameliden-Tierarzt aus den USA).
Wann du genauer hinschaust
Ist eine Stute nach zwei Bedeckungen noch nicht trächtig, sollte sie laut Kameliden-Fachbuch untersucht werden, ob Maidenstute oder nicht. Als Ursachen nennt das Buch, dass sie nicht aufnimmt oder den Embryo früh verliert. Bei den Fehlern in der Haltung nennt es einen jungen Hengst, einen überlasteten Hengst und dass niemand geprüft hat, ob der Hengst wirklich eingedrungen ist.
Wie oft eine einzelne Bedeckung klappt, ist je nach Quelle verschieden. Das Merkblatt der Australian Alpaca Association nennt 75 bis 80 % „nicht ungewöhnlich“. In einer australischen Studie führten dagegen 49 % der 70 Bedeckungen zu einer Trächtigkeit. In einer Studie aus Peru mit 167 Stuten verloren Stuten, die schon einmal ohne Erfolg gedeckt worden waren, den Embryo in den ersten 45 Tagen öfter (fast die Hälfte) als Maidenstuten oder Stuten mit einem Cria bei Fuß (unter einem Drittel). Das Merck Veterinary Manual dagegen schreibt, dass säugende Stuten und sehr junge Maidenstuten mehr Verluste haben können.
Neu decken nach einer Geburt
Die Quellen setzen das erste Neudecken zwischen etwa 10 Tagen und drei Wochen nach der Geburt an. Laut British Alpaca Society sollte die Stute ab 10 bis 14 Tagen fit genug sein, um wieder zum Hengst zu kommen. Das Merck Veterinary Manual schreibt, dass die meisten Stuten nach 14 bis 21 Tagen wieder aufnehmen können. Das Merkblatt der Australian Alpaca Association zur Geburt rät, 15 bis 20 Tage zu warten. Es fügt hinzu, dass eine Stute den Hengst gelegentlich bis zu 40 Tage lang abwehrt.
Der Tragzeit-Rechner zeigt das Zeitfenster zum Neudecken nach einer Geburt, und die Geburt selbst erklärt unser Geburtsratgeber.
Den Hengst wählen und die Bedeckung festhalten
Welchen Hengst du nimmst, ist eine eigene Frage. Inzucht behandelt unser Ratgeber zu Inzucht und Abstammung, riskante Farbverpaarungen der Ratgeber zur Fellgenetik und letalen Verpaarungen.
Notier neben dem Datum, ob die Bedeckung unter Aufsicht war oder der Hengst in der Stutengruppe lief, wie viele Bedeckungen du gesehen hast, wer zugeschaut hat und jedes Ergebnis der Spuckprobe. Die ganze Liste steht in Was du in deinem Bestandsregister erfassen musst.
Wenn du im AZVD züchtest, entscheidet das Deckdatum auch, welches Herdkürzel das Cria trägt. Nach der Zuchtordnung bekommt es das Herdkürzel dessen, dem die Mutter am Decktag gehörte. Kaufst du eine Stute und vereinbarst mit dem Verkäufer, welcher Hengst sie deckt, lass dir diese Deckentscheidung schriftlich bestätigen.
AlpacaKeep erfasst jede Bedeckung mit Vatertier, Datum und Methode (natürlich oder künstliche Besamung). Jede Spuckprobe und jeden Ultraschall speichert es bei dieser Bedeckung. Es sagt dir nie, wann du testen sollst, und entscheidet nie für dich, ob sie trächtig ist. Der Anpaarungsplaner bewertet mögliche Partner aus deiner eigenen Herde.
AlpacaKeep entsteht und läuft auf einem echten Alpakahof und ist jetzt in privater Beta für Höfe in der EU, im Vereinigten Königreich, in der Schweiz, in den USA, in Australien und in Neuseeland, mit allen Funktionen kostenlos für die Beta-Höfe. Der Free-Tarif bis 10 Tiere bleibt auch danach kostenlos. Beta-Zugang anfragen.
Quellen und weiterführende Literatur
- Australian Alpaca Association. Alpaca Advice: Reproduction and Mating (Merkblatt). Induzierter Eisprung, Kuschen, Dauer der Bedeckung, Bedeckung unter Aufsicht und in der Stutengruppe, Spuckprobe nach 7 und 14 Tagen, Geschlechtsreife.
- Australian Alpaca Association. Alpaca Advice: Alpaca Birthing and Cria Care (Merkblatt). Neudecken nach einer Geburt.
- British Alpaca Society. Alpaca Fact Sheet #1: Alpaca Reproduction und Fact Sheet #2: Alpaca Mating Behaviour (überprüft 2018, nach Bourke 1998). Dauer der Bedeckung, Spuckprobe, Zeitpunkt des Ultraschalls.
- British Alpaca Society. Care and Welfare: Reproduction (Webseite). Wann Stute und Hengst bereit sind, Neudecken nach einer Geburt.
- Animal and Plant Health Agency (UK). South American camelids (Leitfaden, 2025). Geschlechtsreife, erste Bedeckung, Spuckprobe, Ultraschall.
- Merck Veterinary Manual: Reproduction of Llamas and Alpacas; Abortion in Camelids.
- Tibary A, Anouassi A. Theriogenology in Camelidae, Kapitel zu Pubertät, Deckverhalten, Zyklus, Zeit nach der Geburt, Unfruchtbarkeit und Herdenmanagement (IVIS).
- Johnson LW. Current Concepts in Camelid Reproduction. Society for Theriogenology, 2002.
- Pollard JC, Moore GH, Littlejohn RP. The sexual behaviour of alpacas imported to New Zealand from Chile. Proc N Z Soc Anim Prod 1991;51:43-46.
- Vaughan JL, Macmillan KL, Anderson GA, D'Occhio MJ. Effects of mating behaviour and the ovarian follicular state of female alpacas on conception. Aust Vet J 2003;81(1-2):86-90.
- Brown BW. A review on reproduction in South American camelids. Anim Reprod Sci 2000;58(3-4):169-195.
- Bravo PW, Solis P, Ordoñez C, Alarcon V. Fertility of the male alpaca: effect of daily consecutive breeding. Anim Reprod Sci 1997;46(3-4):305-312.
- Urquieta B et al. Alpaca semen characteristics under free and directed mounts during a mating period. Anim Reprod Sci 2005;90(3-4):329-339.
- Bravo PW, Diaz D, Alarcón V, Ordoñez C. Effect of the reproductive state of female alpacas on embryonic mortality rate. Am J Vet Res 2010;71(9):1096-1099.
- Wolfthaler J et al. A survey among breeders of South American camelids concerning breeding and reproduction management. Tierärztl Prax Ausg G 2020;48(6):386-397. Umfrage unter Lama- und Alpakazüchtern in Österreich, Deutschland und der Schweiz.
- Alpaka Zucht Verband Deutschland e.V. Zuchtordnung Regelwerk, Überarbeitung 2021 (Stand 01.05.2021). Herdkürzel nach dem Decktag, Mindestalter für die Zuchteignungsprüfung.
